Rund ums Reisen

Montenegro

Kleiner Balkanstaat zwischen Kroatien und Albanien mit imposanten Fjorden und idyllischen Kleinstädten.

Irgendwie wie Norwegen am Mittelmeer

Ein touristisches Entwicklungsland, das viel erreichen möchte. Es gibt erste sehenswerte Anfänge.

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Nein, "coming soon" ist keine neue Modemarke Montenegros. Auch wenn dieser Schriftzug auf vielen Schaufenstern und Werbetafeln in der Küstenregion prangt, auf denen vor allem junge und jung gebliebene, gut aussehende und vor allem gut angezogene Menschen zu sehen sind. "Coming soon" ist vielmehr das  Versprechen in eine tolle touristische Zukunft. Ein Versprechen auf erstklassige Hotels, trendige Shops, anspruchsvolle Freizeiteinrichtungen - kurzum Urlaub auf höchstem Niveau. In Zeiten von Fotoshop und Augmented Reality sind die Grenzen dabei fließend. Und selbst vor Ort wird mitunter nicht mal auf den zweiten Blick sofort klar, was Wunsch und was schon Wirklichkeit ist. Sogar das alles sehende Auge von Google verzeichnet auf Maps so einen Golfplatz, beim dem das Wort "soon" arg optimistisch scheint.

Doch es gibt sie tatsächlich, die neuen touristischen Highlights des kleinen Landes, so wie sie die Hochglanzprospekte versprechen. Nahe Kotor, jener berühmten Stadt mit mittelalterlichem Kern direkt an den beeindruckenden Fjorden, entsteht an einer einst einsamen Bucht des Adriatischen Meeres eine komplett neue Stadt. Hotels, Appartements, Restaurants und Geschäfte werden dort in den Fels gehauen. Die Marina ist schon da, einige beeindruckende Yachten auch. Und mit The Chedi hat in der Luštica Bay im vergangenen Sommer ein Haus jener Gruppe eröffnet, deren Namen weltweit für Luxushotellerie steht. Auch wenn man es anfangs nicht so recht glauben will, es kann funktionieren. Denn mit der Orascom-Group stehen jene Investoren hinter dem Projekt, die bereits in El Gouna, Ägypten, eine komplette Stadt an den Ufern des Roten Meeres aus dem Wüstensand gestampft haben. Das ist mittlerweile 30 Jahre her. Im Gegensatz zu Nordafrika ist man in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik allerdings nicht allein. Denn eine Kombi aus Hotel, Marina, Shops, Restaurants und Appartments gibt es schon im nur zehn Kilometer entfernten Tivat. Port Montenegro nennt sich das Unterfangen, das mit dem Kauf des alten Hafens durch einen kanadischen Milliardär vor 13 Jahren begann. Und man ist immer noch nicht fertig. Doch die Stadt in der Stadt ist durchaus schon vorzeigbar und wird auch von den Einheimischen gern als Flaniermeile genutzt.

Einmalige Landschaften

Das scheint für Luštica Bay wohl eher keine Option. Zum einen liegt die Bucht einsam und vergleichsweise weit außerhalb der nächstgelegenen Ortschaft. Und dann achtet die Security sehr wohl darauf, dass nur derjenige Zutritt erhält, der auch angemeldet ist. Allerdings ist die Touristenstadt derzeit noch mehr Baustelle als Erholungsgebiet, da dürfte auch hierzulande nicht jeder rumlaufen. Die Arbeiten wurden mit Beginn der Saison im Mai stark eingeschränkt. Zudem ist man sehr optimistisch, dass im Sommer dann auch der eigene Beach fertig ist. Das wäre ein starkes Alleinstellungsmerkmal, denn Sand- oder feine Kiesstrände sind auf dieser Adriaseite etwas besonderes. Der nächste vorzeigbare wäre vor Sveti Stefan – einer exklusiven Hotelinsel rund eine halbe Autostunde entfernt. Näher gelegene Badestellen, die nicht aus Felsen bestehen, so rund um Budva, machen leider einen eher verwahrlosten Eindruck.

Doch nach Montenegro kommen Touristen nicht des Badens in erster Linie wegen. Die Nähe zum türkisblauen und sagenhaft klaren Wasser ist eher nette Dreingabe. Natur und Landschaft des kleinen Landes locken vor allem und lassen über teils deutliche Mängel in der Infrastruktur hinwegsehen. So wäre die alte Hauptstadt Cetinje mit ihren stalinistischen Tito-Bauten eher kein Tipp. Aber sie liegt auf dem Weg zu einem der Highlights des Landes. Denn nach dem Hochplateau geht es über Serpentinen und 30 Haarnadelkurven wieder hinab nach Kotor. Seit 1979  UNESCO-Weltkultur- und Naturerbe mit abgeschlossener Altstadt und in den Berg gebauter Festung. Dies alles am Ende eines Fjordes, auf den man nun aus knapp 900 Höhenmetern hinab blickt und aus dem Staunen kaum mehr herauskommt. Da werden selbst die Norweger neidisch. Nur 20 Bootsminuten weiter die nächsten Must-Sees: Perast mit zwei vorgelagerten Inseln, eine mit einer Kapelle bebaut. Mehr als zwei Fahrstunden entfernt gehört auch der Durmitor-Nationalpark zu den Sehenswürdigkeiten. Hier findet sich mit der Tara-Schlucht der tiefste Canyon Europas und nach dem Grand Canyon gar der zweittiefste der Welt. 1600 Meter blickt der Besucher vom höchsten Punkt aus in die Tiefe. Und noch einen Eintrag ins Rekordbuch kann das kleine Land vermelden: der Skutarisee ist der größte Südeuropas. Zwei Drittel seiner Fläche gehören zu Montenegro, der Rest ist Albanien.

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